Wenn ich in unseren Baumarkt gehe, spreche ich bei Gelegenheit manchmal Leute an, die sich ein bestimmtes Produkt ansehen, das ich auch schon gekauft habe und die meisten sind aufgeschlossen für eine kleine Fachsimpelei. Die muss schon mal sein.Insgesamt will ich keine pauschal- Beobachtung machen, aber es ist deutlich zu spüren, dass Konversationen von muslimischen Mitbürgern von vorne herein vermieden oder knapp gehalten werden, wo ein anderer zumindest testet, ob sie ihm gefällt oder nicht.
Ganz anders neulich der alte Türke, der sich eine billig- Bohrmaschine anschaut. Mit seinem Käppi und den wuschigen Augenbrauen sieht man seine Augen zunächst nicht. Aber nachdem ich mich interessiert neben ihn stelle kommt gleich das obligatorische: "Diesä nix gut Maschinä?"
Es ist schön, mit ihm zu fachsimpeln. Solche Begegnungen gibt es leider nur wenige.
Er ist ein alter Herr, ausgezogen, um aus der Armut heraus den Verlockungen der Konsumgesellschaft zu folgen, wenn auch in einem fremden Land.
Er lebt in der parallelen Gesellschaft und hat aufgrund seines liebenswerten Charakters keine Berührungsängste, zumindest im Baumarkt nicht.
Aber trotzdem, für ihn bin ich fremd.
Würde ich ihm auf seinem Bauernhof begegnen, würde er mir sicher seine Gastfreundschaft anbieten, aber dieser Bauernhof existiert nicht.
-------
Ich nicke im Vorbeigehen, spreche sie beiläufig auf das Problem an und meine in etwa: "ah, ich kenn das, ich denke, die Nabe muss geschmiert und die Schraube recht gut angezogen sein, sonst bleibt der Wischer erneut hängen." - und: "Bei mir hat´s funktioniert..."
Die beiden sehen sich scheinbar ratlos an, als hätten sie mich nicht gehört.
Der eine meint: Ah soooo, .. und öffnet den Kofferraumdeckel.
Es folgt eine aufgeregte Unterhaltung auf türkisch während ich mein Fahrzeug erreiche.
Im Vorbeifahren sehe ich die beiden mit dem Schlüssel hantieren, wohl um den Heckwischer ab zu montieren. Sie scheinen meinen Tip zu befolgen.
Ich fahre weiter und denke darüber nach, was hier eigentlich passiert ist.
Das einzige Deutsch war dieses Ah soooo.
Dabei hatten beide Türken mich keines einzigen Blicks gewürdigt.
Müssen sie ja nicht.
Niemand muss nett sein.
Aber ein kleines "Nicht nötig, wir kommen allein klar" wäre zu erwarten gewesen.
Oder vielleicht: "ok, probieren wir mal" - aber es kam einfach:
Gar nichts!Weder ein Blick noch eine Reaktion. Ich war einfach Luft.
Wer hier fremd ist, steht zweifelsfrei fest:
ich!----------------------------------------------------------------------------------------
Noch schnell ins Parkhaus, Einkaufszentrum, ich suche einen Parkplatz.
Ein hochglanzpolierter Geländewagen, nahe des Eingangs des Kaufhauses ist halb-quer geparkt, er braucht also zwei Parklücken. Wie ärgerlich. Nein das ärgert mich wirklich, denn es zeugt von ungeheurer Ignoranz anderen gegenüber. Ich entdecke viel zu weit entfernt einen Platz und entscheide mich, einen Zettel zu schreiben, den ich in besonders dreisten Fällen an die Scheibe des Übeltäters mache: Willkommen auf der Erde. Wer so parkt, kann nur vom Mond kommen.
Zu dumm, ich habe keinen Zettel zur Hand.
Während ich mich dem Eingang nähere, sehe ich, wie an dem besagten Geländewagen eine türkische Frau gerade die Türe offen hat, aber nicht einsteigt. Sie redet laut auf türkisch mit jemandem, der scheinbar in 10m Entfernung ebenfalls gerade vom Einkaufen kommt.
Anscheinend dauert die Unterhaltung nicht nur zwei Sätze lang, was man aus dem Tonfall schließen möchte. Eins der dazu gekommenen Autos hält vorsichtig, fährt aber weiter. Hier schon wieder eines. Als die Unterhaltung nicht enden möchte und dieser Wagen auch weiterfährt, gedenke ich, mich einzumischen. Zugegeben, ich war nicht gerade bester Laune wegen dem Parkproblemchen und dem nicht vorhandenen Zettel, schlicht der kleinen Rache wegen..
Im Vorbeigehen versuche ich freundlich (vorsichtig und viel zu feige) ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken:
"Hallo? - -Bitte nicht quer parken!"
Die Frau sieht mich für eine Millisekunde abfällig an und meint genervt: "Jaa, jaa" - um sich nahtlos auf türkisch weiter zu unterhalten.
Das zweite "Jaa" war bereits schon wieder mit Blickkontakt zu dem türkischen Gesprächspartner... !
Als ich vor dem Aufzug warte, fahren inzwischen drei weitere Autos an dem Parkplatz vorbei.
Einer versucht sogar, in die Lücke zu kommen, gibt aber auf.
Ob dieses leise Hupen der Türkin galt, kann ich nicht zuordnen, aber es lässt sich vermuten, denn bisher war noch nie in diesem Parkhaus je eine Hupe zu hören.
Wie lange das noch so ging, weiß ich nicht.
Ob nun deutsch, türkisch oder pinguinesisch- so etwas ist unverschämt arrogant , um es mal vorsichtig auszudrücken.
Aber dass es eine Türkin ist, lässt meine Toleranz gegenüber einzelnen Schwachstellen nicht gerade größer werden. Diese Art nonverbale Kommunikation kommt vielen bekannt vor:
"Was will denn der Deutsche da - der hat mir nix zu sagen"..
Dieser Tenor ist so deutlich, und ich sehe ihn überall, bei gutem Willen, er ist eben da.
Tut mir leid, aber so kommt es eben oft an. Sichtbare Verachtung schlägt einem direkt ins Gesicht. Das sind deutliche Gesten. Wie muss das erst in der Großstadt sein.
Wäre ich nun ein Türke, hätte ich sicher nicht nur ein jaaa, jaaa bekommen.
Dieses subtile Gefühl, als ob man eh nicht dazu gehört, existiert doch auf beiden Seiten.
Deutsche würden das auch tun?
Ich sage: nein. Nicht in unserer Kleinstadt.
Und wenn, käme zurück: Ok, ´tschuldigung, ich fahre gleich weg.
------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auch das nächtliche Brüllen in ein Handy vor der Türkenkneipe in unserer ruhigen Altstadt, das bis ans Ende der Straße hallt, mit anschließendem Urinieren gegen die alte Mauer bei lautstarkem Palaver gehört zu den eher unbeliebten Szenarios. Als ob hier niemand wohnen würde.Man lächelt schon darüber mit den Worten: Na ja, ist eben klein-Istanbul geworden hier.
Stimmt, der Abschnitt ist fest in türkischer Hand. Alle alt-Kneipen, in denen ich früher verkehrte, sind nun übernommen. Würde ich da reingehen, würden mich alle erst mal sehr verwundert ansehen. Womöglich gefragt werden, ob ich wen suche. Sie wissen natürlich nicht, dass ich früher in diesem Haus aus und ein ging. Woher auch.
Ach ja, genau, übrigens: das ärgert mich:
Ich bin neidisch auf Einwanderer, die sich so frei fühlen, als wären sie mitten in der Wüste , wobei ich mich dagegen mein ganzes Leben angepasst habe, immer Rücksicht auf die Anwohner nehmend, immer leiser gedreht habe, immer vorsichtig, ob jemand anders sich gestört fühlt.
Genau so frei wie der mit dem Telefon nachts in der ruhigen Straße wollte ich mich auch immer fühlen, nur habe ich mich anständig zurück genommen.
Klar, junge Leute müssen mal einen drauf machen und sich auslassen dürfen. Aber das hier ist so eine Art feste Instanz. Hier geht es jeden Abend so zu. Respektlos gegenüber Anwohnern.
Das ist nicht integriert, sondern in Beschlag genommen.
Gut, lassen wir das.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen