Samstag, 20. Dezember 2014

Fünf Fehler über die Hexenverbrennung

Zölibat & Mehr: Fünf Fehler über die Hexenverbrennung:

Von Dr. phil. Josef Bordat

Oft ist zu hören und zu lesen, die (katholische) Kirche habe im Mittelalter Millionen von Frauen in Europa als Hexen verbrannt, bevor die Aufklärung kam und dem Spuk ein Ende bereitete. In dieser Aussage stecken fünf Fehler:
• 1. Die meisten Hexenverbrennungen gab es in Europa nicht im Mittelalter, sondern in der Frühen Neuzeit.

• 2. Es wurden nicht 8 oder 9 Millionen Hexen verbrannt, sondern in 350 Jahren etwa 50.000.

• 3. Die katholische Kirche tötete etwa 10.000, die evangelische Kirche 40.000 Hexen.

• 4. Der Schwerpunkt der Hexenverfolgung lag nicht in Europa, sondern in Afrika (2001 im Kongo).
• 5. Die Hexenverfolgung kam bereits vor der Aufklärung (im 17. Jahrhundert) weitgehend zum Erliegen.
Berlin (kath.net/ Jobo72´s Weblog) Geschichtsbilder werden gemacht. Anders geht es ja auch gar nicht, schließlich kann Niemand die Zeit zurückdrehen, um sich persönlich von historischen Gegebenheiten ein eigenes Bild zu machen. Rekonstruktionen (vor allem räumliche) prägen also unser Bild vom Vergangenen. Wenn diese falsch sind, weil sie auf fehlerhaften Annahmen basieren, ist das Bild, das wir haben, ein falsches. Besonders bei Themen, die bis heute emotional aufgeladen sind, setzen sich die Bilder durch, die das Befinden der Mehrheit bedienen. Ob sie wahr sind, ist zweitrangig.

Die fehlerhaften Darstellungen in populärwissenschaftlichen Medienberichten und die daraus folgenden Fehlurteile basieren dabei zum Teil auf waschechten Fälschungen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema „Hexen“. Oft ist zu hören und zu lesen, die (katholische) Kirche habe im Mittelalter Millionen von Frauen in Europa als Hexen verbrannt, bevor die Aufklärung kam und dem Spuk ein Ende bereitete. In dieser Aussage stecken fünf Fehler.

Erster Fehler: Die Zeit. Die meisten Hexenverbrennungen gab es in Europa nicht im Mittelalter, sondern in der Frühen Neuzeit; die letzte Hexe wurde in Deutschland 1775 verbrannt, die Aufklärung war da schon ein Jahrhundert lang der Hauptstrom europäischer Geistesgeschichte.

Zweiter Fehler: Die Opfer. Es waren nicht „8 oder 9 Millionen Opfer“, wie die NS-Propaganda vermutete, sondern, nach derzeitigem Forschungsstand, etwa 50.000 in 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung (1430-1780). Die Christenverfolgung führt übrigens jedes Jahr zu mehr als doppelt so vielen Opfern. [siehe: 175.000 Christen werden jährlich ermordet]

Es wundert daher schon, dass man als katholischer Christ wesentlich häufiger auf die Hexenverfolgung angesprochen wird, die seit einem Vierteljahrtausend der Vergangenheit angehört (jedenfalls soweit es eine europäische, „christlich“ motivierte war), als auf die Christenverfolgung, die jetzt stattfindet. Die Opfer waren darüber hinaus nur in Deutschland mehrheitlich Frauen, sonst war das Geschlechterverhältnis zahlenmäßig mindestens ausgeglichen, z. T. waren die Männer in der Mehrzahl; in Island waren 90 Prozent, in Estland 60 Prozent der Opfer Männer. [Zauberer, Heiler, Magier, Esoteriker]

Dritter Fehler: Die Täter. Rund die Hälfte der 50.000 Opfer lebte auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wenn man davon ausgeht (und davon darf man aufgrund der Quellenlage wohl ausgehen), dass die Opfer zahlenmäßig zwischen protestantischen und katholischen Gebieten des Reichs ungleich verteilt waren, zu Lasten der protestantischen Gebiete, dann hat die Katholische Kirche die Verantwortung für etwa 10.000 Todesopfer.

Interessant ist auch der Zusammenhang von Inquisition [1] und Hexenverbrennungen: Nur an einigen hundert der über drei Millionen Hexenprozesse (Schuldspruchquote: 1,5 Prozent) war die Inquisition beteiligt. Die Hexenprozesse fanden in der Tat vor weltlichen Gerichten statt. Die Inquisition [katholische Kirche] interessierte sich nämlich hauptsächlich für Ketzer, nicht für Hexen. Im katholischen Spanien hat es keine Hexenverfolgung gegeben, wegen der Inquisition. Auch in Italien sorgte die Inquisition dafür, dass so gut wie keine Hexe verbrannt wurde. In Rom, dem vermeintlichen Zentrum des Grauens, wurde nie eine Hexe oder ein Zauberer verbrannt. Die Katholische Kirche hat die Hexenverfolgung niemals offiziell bejaht.
[1] Als Inquisition (lateinisch inquirere ‚untersuchen‘) werden jene spätmittelalterlichen [1250 bis 1500] und frühneuzeitlichen [1800-1900] Gerichtsverfahren bezeichnet, die sich unter der Mitwirkung oder im Auftrag von katholischen Geistlichen in erster Linie der Verfolgung von Häretikern widmeten [Menschen, die die katholische Lehre kritisierten] und sich dabei der Prozessform des Inquisitionsverfahrens (eine unter Papst Innozenz III. (1161–1216) entwickelte Form des Ermittlungs- und Strafprozesses) bedienten. Ein geistlicher Vorsitzender eines Inquisitionsgerichts wurde als Inquisitor bezeichnet.

Ein Inquisitor konnte nach kanonischem Recht nur ein Geistlicher sein, der mindestens 40 Jahre alt, zudem rechtskundig und lebenserfahren war. Ferner musste er sich „eines musterhaften Lebens befleißigen.“ Mit inquisitorischen Vollmachten ausgestattet wurden in erster Linie Bischöfe oder Ordensgeistliche aus dem Dominikaner- oder Franziskanerorden. In der neuzeitlichen Spanischen Inquisition konnten auch weltliche Juristen für das Inquisitorenamt bestellt werden.
„Ja, aber der ,Hexenhammer’!“ [2] Oft wir unterschlagen, wie es eigentlich zu dem berüchtigten „Hexenhammer“ (Malleus Maleficarum, 1486) kam. Heinrich Kramer (Institoris) schrieb ihn, weil er in Innsbruck erfolglos einen Hexenprozess angestrengt und kurz darauf des Landes verwiesen wurde. Von wem? Vom Bischof Georg Golser. Der „Hexenhammer“ ist eine Reaktion darauf gewesen. Die [päpstliche] Bulle [Summis desiderantes affectibus (1484)], auf die sich Kramer in Innsbruck berief, enthielt im Übrigen die Aufforderung, verdächtige Personen ernsthaft zu prüfen und bei bestätigendem Ergebnis zurechtzuweisen, zu inhaftieren und zu bestrafen, nicht aber, sie zu verbrennen. In der Praxis hat das den Hexenwahn eher gemindert als befördert.
[2] Der Hexenhammer (latainisch: Malleus Maleficarum) ist ein Buch zur Legitimation der Hexenverfolgung, das der Dominikaner-Mönch Heinrich Kramer (lat. Henricus Institoris) nach heutigem Forschungsstand im Jahre 1486 in Speyer veröffentlichte und das bis ins 17. Jahrhundert hinein in 29 Auflagen erschien.

Der Hexenhammer muss in engem Zusammenhang mit der sogenannten Hexenbulle [3] des Papstes Innozenz VIII. vom 5. Dezember 1484 gesehen werden. Die päpstliche Hexenbulle markierte zwar nicht den Beginn der Hexenverfolgungen in Europa, jedoch erreichte sie nun mit offizieller Beglaubigung durch das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche eine neue Dimension.

[3] Der spätere Autor des Hexenhammers Heinrich Kramer (Henricus Institoris) verfasste dieses Schreiben [die Hexenbulle] und wurde damit bei Papst Innozenz VIII. vorstellig, welcher das Antwortschreiben [eine Rechtsnorm zur Regelung von Rechtsfragen] am 5. Dezember 1484 durch seine Kanzlei ausfertigen ließ. Damit bestätigte er als einziger Papst  die Existenz der Hexerei. Die Hexenbulle verlieh zwar die Vollmacht zur Zurechtweisung, Inhaftierung und Bestrafung verdächtiger Personen, jedoch nicht zur Hexenverbrennung. Die Verfolgungen und Hexenverbrennungen verbreiteten sich unabhängig von diesem Werk, in den durch die Reformation aufgeteilten Religionen.
Kirchenrechtlich hat die „Hexenbulle“ übrigens nie Bedeutung erlangt, maßgebend war immer der Canon episcopi, der Hexenglaube als Einbildung ablehnte und bis zur Kirchenrechtsreform von 1918 im maßgeblichen CIC [4] enthalten war; die Hexenbulle [„Summis desiderantes affectibus“] taucht dagegen in keinem Verzeichnis auf. Wie gesagt: Die Katholische Kirche war gegen die Hexenverfolgung, im Gegensatz zu Luther und Calvin.
[4] Der CIC [Codex Iuris Canonici], das für die römisch-katholische Kirche heute maßgebende Gesetzbuch des kanonischen Rechts.
Martin Luther war ein Verfechter der Hexenverfolgung, denn er war überzeugt von der Möglichkeit des Teufelspaktes und des Schadenszaubers. In einer Predigt vom 6. Mai 1526 sagte er über Hexen und Zauberer: „Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“ Fairerweise muss man aber sagen, dass sowohl katholische wie auch protestantische Theologen gegen den Hexenwahn angekämpft haben. Neben Jesuiten wie Spee und Laymann etwa Johann Weyer (Konfessionszugehörigkeit umstritten, wahrscheinlich Konvertit) und der reformierte Anton Praetorius.

Vierter Fehler: Der Ort. Der Schwerpunkt der Hexenverfolgung lag nicht in Europa, sondern liegt im heutigen Afrika: „Die intensivste Hexenverfolgung“, so schreibt der Theologe Richard Schröder in „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen“ (2008), „fand 2001 statt“, und zwar im „östlichen Kongo“. Dort hat sie alles andere als „christliche“ Gründe. Es gibt Schätzungen, die im Zusammenhang mit Hexenkulten im heutigen Afrika von mehreren tausend Opfern jährlich ausgehen. Dieser Umstand ist hierzulande meist unbekannt. [5]
[5] Hintergrund dieser Hexenverfolgung im Kongo ist eine ökonomische Krise. Ein erstes vom IWF [Internationaler Währungs-Fond] gefordertes Strukturanpassungsprogramm aus dem Jahr 1977 führte zur Entlassung von über 80 % der Staatsangestellten und zu einem weitgehenden Zusammenbruch des Bildungs- und Gesundheitssystems, des ÖPNV [Bus und Bahnbetriebe] und anderer Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge wie der Müllabfuhr.

Ein zweites Strukturanpassungsprogramm aus dem Jahr 1987 sah die totale Marktöffnung des Landes vor und führte zum Zusammenbruch der verarbeitenden Industrie in Kinshasa [Haupstadt des Kongo], was einen schlagartigen Verlust von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen bedeutete. Aber auch die Landwirtschaft in ganz Zaire [6] konnte mit den billigen Importen nicht mehr konkurrieren. Es kam zu einer Hyperinflation [wirtschaftlichem Zusammenbruch]. Die katastrophale ökonomische Situation führte zu einem Zerfall der kongolesischen Familien. Viele Kinder wurden der Hexerei bezichtigt und verjagt. Das passierte häufig dann, wenn ihre Mütter sie nicht mehr ernähren konnten.
[6] Zaire war vom 27. Oktober 1971 bis zum 17. Mai 1997 der Name der Demokratischen Republik Kongo.
Diese neue Welle des Hexenglaubens wurde durch die Harry-Potter-Romane ausgelöst oder zumindest verstärkt. Denn viele Einwohner von Kinshasa halten sie für eine Beschreibung der Realität. Die in Kinshasa stark verbreiteten evangelikal-fundamentalistischen Sekten unterstützen diesen Hexenglauben und unterwerfen angebliche Hexenkinder mitunter qualvollen Prozeduren, um sie von ihrer vermeintlichen Besessenheit zu befreien (Exorzismus). Es sollen allein in Kinshasa dreißig- bis vierzigtausend Kinder als „Hexen“ gelten.

Zwar ist der Glaube an Hexerei in Afrika weit verbreitet, aber die spezifische Form der Kinderhexen gab es vor 1990 praktisch nicht. Deshalb können sie nicht auf traditionelle Glaubensvorstellungen zurückgeführt werden. Er trat vielmehr als Folge des ökonomischen Zusammenbruchs auf.
Fünfter Fehler: Das Ende. Interessant ist auch, wie der Hexenwahn, in Europa!, sein Ende fand. Noch einmal Schröder: „Durch die Aufklärung, sagt man. Das stimmt so nicht. Er kam nämlich schon im 17. Jahrhundert weithin zum Erliegen.“ Es gab nämlich massiven Widerstand. „Die Gegner waren Theologen und Juristen, die sich als Christen verstanden.“ Einer davon war der schon erwähnte Friedrich Spee von Langenfeld. 1631 erscheint sein Hauptwerk, die Cautio criminalis („Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse“), die nur wenige Woche nach Erscheinen vergriffen ist.

In diesem Buch entlarvt er die Hexenprozesse als Farce und die Vollstreckung der Urteile als Mord. Im Zentrum der Kritik steht die Anwendung der Folter, die damals zur Wahrheitsfindung eingesetzt wurde. Spee hält Folter zwar auch für moralisch verwerflich („Kein deutscher Edelmann würde ertragen können, daß man seinen Jagdhund so zerfleischte. Wer soll es da mit ansehen können, daß ein Mensch so vielmals zerrissen wird?“), doch zunächst für juristisch untauglich, weil sie in der Rechtspraxis zur fehlerhaften Beweisaufnahme führe. Friedrich von Spee war übrigens katholisch.

Wie kommt es aber, dass ein Satz mit fünf Fehlern zum „Basiswissen“ des „aufgeklärten“ Deutschen gehört? Nun, dafür ist wohl mangelndes Richtigstellungsinteresse innerhalb der historischen Forschung in Deutschland verantwortlich. Interessant in dem Zusammenhang, dass offenbar erst 1975 durch die Arbeiten von Norman Cohn und Richard Kieckhefer geklärt wurde, dass die von Etienne Leon de Lamothe-Langon in seiner „Histoire de l’Inquisition en France“ (1829) beschriebenen Massenprozesse und -hinrichtungen im Zuge der Hexenverfolgung im Frankreich des 14.[sic!] Jahrhunderts frei erfunden waren, wie die Mediävistin [Erforschung des Mittelalters] Jenny Gibbons in einem interessanten Artikel darlegt.

Nachdem die Forschungskommunität [Gemeinschaft] anderthalb Jahrhunderte lang keinen Anstoß daran nahm, dass der Verfasser der „Inquisitionsgeschichte in Frankreich“ keine Belege für seine Behauptungen anführt und keine Quellen nennt, ist nun deutlich herausgearbeitet worden, dass man für weitreichende Behauptungen, wie etwa die, dass an einem einzigen Tag 400 Hexen ermordet worden seien, Behauptungen anführen und Quellen nennen sollte. Diese Klärung erfolgte erst, als die Fiktion de Lamothe-Langons längst in der Geschichtsschreibung tradiert war und infolgedessen als unumstößliches Faktum die Stammtische erobert hatte. Wir erinnern uns: Geschichtsbilder werden gemacht.

Die Anmerkungen in eckigen Klammern sind vom Admin.

Dieser Beitrag stammt aus dem Blog von Dr. phil. Josef Bordat.

Quelle: Hexenverfolgung im Christentum - Fünf Fehler

kath.net schreibt:

Im Deutschen Historischen Museum im Berliner Kronprinzenpalais ist derzeit die Ausstellung „Hexenwahn. Ängste der Neuzeit“ zu sehen, wie der Nachrichtensender „n-tv“ berichtet. Es sei eine Schau, die „gründlich mit den gängigen Hexen-Klischees“ aufräume, so „n-tv“. So wird das Klischee, dass vor allem Frauen getötet wurden, widerlegt. Vor allem in Nordeuropa waren es meist Männer, die verurteilt wurden. In Island sogar 90 Prozent, europaweit immerhin bis zu 25 Prozent.

kath.net schreibt:

Wien (www.kath.net) Man könne nicht „pauschal von 'der' hexenverfolgenden katholischen Kirche sprechen“. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der Paderborner Historiker Rainer Decker in seinem Buch „Die Päpste und die Hexen“. Decker hatte als einer der ersten Wissenschafter Gelegenheit, das römische „Inquisitionsarchiv“, das Archiv der heutigen Glaubenskongregation, einzusehen. Anhand vieler Fallbeispiele präsentiert er neue Erkenntnisse über ein dunkles Kapitel der europäischen Geschichte. Der deutsche Wissenschafter liefert eine Reihe von sauberen historischen Belegen, die zeigen, dass es „die“ hexenverfolgende Kirche, die ein Schlachtfeld im Mittelalter und früher Neuzeit hinterlassen hat, nie gegeben hat.

Zum einen weist Decker auf die Tatsache hin, dass bei den Massenverfolgungen im westlichen Alpenraum seit 1430/40 die weltlichen Gerichtshöfe führend waren, auch was die Todesurteile angeht. Addiert man alle Einzelnachrichten von Hexenverfolgungen, so ergibt sich für die mittelalterliche päpstliche und päpstliche Inquisition eine Zahl von deutlich unter 1000 Menschen, die wegen Hexerei verbrannt wurden. Erheblich niedriger ist der Wert für die neuzeitliche, das heißt die 1542 gegründete römische Inquisition. Decker: „Massenverfolgungen hat sie ebensowenig durchgeführt wie ihre spanischen und portugiesischen Schwestern. Die Zahl der Hinrichtungen liegt bei unter 100.“

Der Wissenschafter macht außerdem darauf aufmerksam, dass in Italien auffallend viele Männer unter den wegen Magie Angeklagten waren, in Friaul waren es rund 50 Prozent. „Die passt nicht zu der landläufigen Vorstellung von den frauenfeindlichen Klerikern“, folgert Decker. „Es genügt eben nicht, den in der Tat frauenfeindlichen 'Hexenhammer' zu zitieren, sondern es wäre zu untersuchen, ob die Kirche, präziser gesagt: die Kirchen, seinen Empfehlungen folgten.“ Eine aktuelle Arbeit komme weiters zu dem Ergebnis, „dass in den evangelisch-lutherischen Territorien Deutschlands der Anteil der wegen Hexerei verfolgten Frauen größer war als in den katholischen. Die einfache Kausalkette Zölibat - sexuelle Verklemmtheit - Frauenfeindlichkeit - Hexenverfolgung ist mehr als fragwürdig.“

kath.net schreibt:

Und warum, fragte sich Roper, wurden besonders ältere Frauen der Hexerei bezichtigt, die keine Kinder mehr bekommen konnten?

Kirche verurteilte viele Männer: Ein bisschen muss auch die Vorstellung der auf Frauenjagd fixierten Kirche relativiert werden: „Insgesamt waren in Europa zwischen 75 und 90 Prozent der Opfer Frauen. Aber in vielen katholischen Gebieten waren ein Drittel der Opfer Männer, viel mehr als in protestantischen Gebieten.“ Ein Grund dafür sei die lutherische Bibelübersetzung (Exodus 22,17: „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen“).

Siehe auch:
Der Hexenwahn als extrem physische Erfahrung
Die Päpste und die Hexen
Berliner Ausstellung räumt mit Hexen-Klischees auf
Bitte an Kölner Kardinal: Hexe Katharina Henoth rehabilitieren

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1 Kommentar:

  1. ps
    Himmler war von den Hexenverbrennungen besessen und hat eine eigene Gruppe beauftragt, ein Hexenarchiv anzulegen, wobei er seine Herkunft auf eine Hexe – unberechtigterweise – zurückzuführen glaubte.Auf dieses Archiv haben zum Teil die modernen Historiker zugegriffen.
    Die Nazis und die Feministinnen lügen sich die Hexenverfolgungen zurecht!

    Es ist auch eine Mär, daß man Rothaarige massenweise wegen ihrer Haarfarbe verbrannte.

    Schaut man sich die Madonnenbilder des 15. bis 19. Jahrhunderts an, viele haben dickes rotes Wallehaar.
    Stuppacher Madonna, von Matthias Grünewald, 1515
    http://www.stuppacher-madonna.de/

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